Orthomolekulare Medizin


Die orthomolekulare Medizin geht davon aus, dass viele Krankheiten die Folge eines Ungleichgewichtes von Nährstoffen im Körper sind. Die Bedeutung dieses medizinischen Ansatzes leitet sich aus seiner Übersetzung her. Dabei setzt sich „Orthomolekular“ aus dem griechischen Wort ortho (richtig) und dem lateinischen Wort molekular (Teilchen) zusammen. Damit soll ausdrückt werden, dass die orthomekulare Medizin die „richtigen Teilchen“, Nährstoffe, wie z.B. Vitamine und Mineralstoffe in den Fokus stellt.


Die orthomolekulare Medizin, auch orthomolekulare Therapie genannt, beruht auf den Arbeiten des zweifachen Nobelpreisträgers Linus Pauling. Der Grundstein für diesen Therapieansatz wurde bereits 1966 gelegt und seither immer weiter entwickelt.


Während Pauling sich noch ausschließlich mit der Gabe von hochdosiertem Vitamin C zur Bekämpfung von Krankheiten beschäftigte, umschließt die heutige orthomolekulare Medizin die Gabe von verschiedensten Nährstoffen, die uns hauptsächlich unter dem Sammelbegriff "Nahrungsergänzungsmittel" bekannt sind. Man unterscheidet zwischen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, essenziellen Fettsäuren, Aminosäuren und Enzymen.


Grundlegende These hierbei ist, dass der Mensch auf Grund von veränderten Lebensbedingungen häufig mit entscheidenen Nährstoffen mangelversorgt ist. Dadurch gerät der Körper aus dem Gleichgewicht und es kommt zu Erkrankungen. Orthomolekulare Medizin versteht sich jedoch nicht nur als Therapiemethode im Falle von Krankheiten, sondern auch als präventive Therapie, um Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen.



Vitamine


Beispielhafte Vitamine, deren Bedeutung und häufiger Mangel durch die Untersuchung im Blut heute gut belegt ist, sind Vitamin B12 und Vitamin D.

Vitamin D ist an vielen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt, so dass ein Vitamin D-Mangel zu vielfältigen Symptomen wie einer erhöhten Infektanfälligkeit, Müdigkeit, Osteoporose, Muskelschwäche, Entzündungen oder auch neurologischen Erkrankungen beitragen kann.

Ein ähnliches Beispiel ist Vitamin B12. Ein Vitamin B12- Mangel äußerst sich unter anderem durch Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Depressionen, Haarausfall und Migräne. Nach einer Blutuntersuchung des B12-Spiegels erfolgt bei Bedarf eine angemessene Substitution im Rahmen der orthomolekularen Therapie.



Mineralstoffe


Mineralstoffe wie Calcium, Selen, Zink, Kalium und Magnesium können sich regelmäßig im Mangel befinden. Ein solcher Mineralstoffmangel kann vorhandene Erkrankungen oder Symptome verstärken.

Die orthomolekulare Medizin substituiert Mineralstoffe gezielt unter anderem bei Osteoporose, in der Schwangerschaft, bei einem hohen Homocysteinspiegel, bei Bluthochdruck, bei Darmerkrankungen, in der Krebs-Nachsorge, bei Hauterkrankungen, bei veganer Ernährung, in der Herzinfarkt-Nachsorge und bei Fettstoffwechselerkrankungen.



Aminosäuren


Aminosäuren spielen beispielsweise eine wichige Rolle für die Produktion vieler Eiweiße, etwa der Muskeleiweiße, der Enzyme und der Hormone. Sie sind die Grundbausteine, aus denen der Körper dann z.B. Adrenalin produziert. Unter anderem bei Müdigkeit und Erschöpfung sowie chronischem Stress oder dem Chronic Fatigue Synfrom (CFS) sind die Ressourcen nicht selten weitgehend erschöpft, die Hormonproduktion flacht ab. Durch die Messung der Hormone und die gezielte Gabe ausgewählter Aminosäuren kann die orthomolekulare Medizin diese Depots wieder auffüllen und die Hormonproduktion steigern.



Fettsäuren


Fettsäuren spielen eine weitere wichtige Rolle in der orthomolekularen Medizin, v.a. die ungesättigten Fettsäuren. Dem Körper dienen ungesättigte Fettsäuren unter anderem als Bestandteil der Zellmembranen und sorgen dafür, dass diese durchlässig und flexibel bleiben. Auch das Gehirn besteht zu maßgeblichen Teilen aus Fettsäuren. Zudem wirken einige mehrfach ungesättigte Fettsäuren entzündungshemmend, sind Vorstufen von Hormonen oder unterstützen die Zellteilung. Der gezielten Gabe von Fettsäuren kann daher im Rahmen der orthomolekularen Therapie eine wichtige Bedeutung zukommen.



Orthomolekulare Therapie


Eine Therapie auf Basis der orthomolekularen Medizin ist für jeden Patienten individuell und geht mit einer Diagnostik von Parametern im Blut und teils im Urin einher. Dies liegt u.a. daran, dass bei z.B. gleicher Gabe von Vitamin B12-Präparaten, die aufgenommene Menge des Vitamin B12 erheblich schwankt. Daher ist eine Kontrolle der Werte im Rahmen von Nachuntersuchungen regelmäßig sinnvoll. So kann der individuelle Therapieerfolg bestimmt werden.


Wurde ein Mangel diagnostiziert oder hat sich im Rahmen der Anamnese ergeben, dass die bestehenden Beschwerden auf eine höhere Versorgung mit bestimmten Nährstoffen positiv ansprechen, so gibt es verschiedene Formen, über die eine orthomolekulare Therapie erfolgen kann, als Substitution (Ergänzung) oder als Hochdosistherapie.


Doch nicht nur der Mangel an bestimmten Nährstoffen steht bei der orthomolekularen Therapie im Fokus. Bei bestimmten Beschwerdebildern, im Besonderen bei Immunschwäche, Infektanfälligkeit und Entzündungen, einer chronischen Erschöpfung und dem Reizdarmsyndrom, ist eine Stimulation des Stoffwechsels mit sogenannten therapeutischen Dosen (Hochdosistherapie) oft zielführend. Hierbei wird über einen kurzen Zeitraum eine hohe Dosis der Nährstoffe eingenommen, wesentlich höher, als sie normalerweise zur Prophylaxe oder Substitution empfohlen wird. Dementsprechend wird diese Therapieform auch nur kurzfristig angewendet und unterliegt der Überwachung durch den Behandler in Form von kontrollierenden Laboruntersuchungen.


Neben Nahrungsergänzungsmitteln stehen uns für die orthomolekulare Medizin auch Arzneimittel sowie Injektionen und Infusionen zur Verfügung, um den Mangel zu beseitigen bzw. präventiv die Erhaltung eines optimalen Nährstoffspiegels im Blut und in den Körperzellen zu bewirken.